Gebiss so gross wie ein Smart

Das Sauriermuseum Aathal stellt zur Zeit die weltweit am besten erhaltenen Urzeit-Haie in ihrer Sonderausstellung «Haie der Urzeit» aus.


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Demnächst startet der Horror-Film «The Meg» über einen ausgestorbenen Monsterhai namens «Megalodon». Der Zufall will, dass das Sauriermuseum Aathal jetzt die Ausstellung «Haie der Urzeit» eröffnet - mit dem weltweit am besten erhaltenen Skelett eines «Megalodons».

Im Vergleich zum «Megalodon» ist der Weisse Hai «Jaws» ein Kuscheltier: Das vor zwei Millionen Jahren ausgestorbene Urzeitmonster wurde fast 20 Meter lang und in sein Maul hätte locker ein Smart gepasst.

Fossile Haie sind extrem selten, sagt Hans-Jakob Siber, Gründer und Besitzer des Sauriermuseums Aathal. Denn Haie sind Knorpelfische und Knorpel zerfällt nach dem Tod sehr schnell. Haiskelette versteinern denn nur unter ganz seltenen Bedingungen. Die etwa 4,5 Meter lange Versteinerung eines Megalodons aus Peru, welche das Sauriermuseum als «Hailight» ab Donnerstag in einer Sonderausstellung zeigt, sei aus Forschersicht eine Sensation.

Im Vergleich zum lebenden Tier sei dieses Fossil aber dennoch eher «mickrig», sagt Siber. Um Besuchern einen besseren Eindruck zu geben, hat er deshalb einen animierten Kurzfilm drehen lassen. Gezeigt wird er in einem nachgebauten Aquarium. Der Zuschauer steht dabei in einer Art Grotte und guckt durchs Glas ins Meer hinaus. Zunächst schweben Seesterne und anderes Getier herum, bis - wamm - von hinten der «Riesenzahn» naht und sein Maul aufreisst.

Dass dieses Szenario einer der Schlüsselszenen von «The Meg» ähnelt, als ein kleines Mädchen in einem Unterwasserfenster den Monsterhai kommen sieht, sei Zufall, so Siber. Von der Hollywood-Produktion habe er erst im Februar erfahren, als die eigene Hai-Ausstellung bereits weit gediehen war.

«Die beste Ausstellung über fossile Haie»

Angeregt wurde diese nicht von Hollywood, sondern von Sibers Nachbar René Kindlimann, von Hause aus Ausstellungsgestalter und nebenbei ein gefragter Hai-Experte und Besitzer einer der weltweit vollständigsten Sammlungen von Haifossilien. 30 Jahre lang habe er Kindlimanns Sammlung wachsen sehen, sagt Siber. Um sie ins Sauriermuseum zu integrieren, dafür fehle der Platz, aber zumindest widmet er den Haien nun die diesjährige Sonderausstellung.

«Wir wollten die beste Ausstellung über fossile Haie machen, die es je gegeben hat, und ich glaube, das ist uns gelungen», sagt Siber. Zu sehen sind neben dem weltweit am besten erhaltenen Skelett eines «Megalodons» etwa zwei Dutzend Raritäten, welche die Evolution der Haie nachvollziehbar machen.

Ergiebige Fundstellen sind Peru und der Libanon, aber auch Solnhofen in Deutschland. Vor Jahrmillionen Jahren dürften also auch in unseren Breiten Haie gejagt haben.

«Megalodon» überlebte erstaunlich lange...

Ausgestorben ist der «Megalodon» genannte Hai - der wissenschaftliche Name lautet anders und hat gerade vor kurzem wegen neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse wieder geändert - zu einer Zeit, als die grossen Meeresräuber des Erdmittelalters, die Mosasaurier, Plesiosaurier und Pliosaurier längst verschwunden waren.

Den Haien eröffneten sich im Tertiär neue Nahrungsquellen in Gestalt der damals sich entwickelnden meeresbewohnenden Säugetiere. Haie wie der Megalodon profitierten von dieser Entwicklung und begannen eine enorme Grösse zu entwickeln: mit 15 bis 18 Metern Länge waren sie gewaltige Jäger. Im Vergleich dazu erreichen die grössten Weissen Haie der heutigen Zeit mit 6 bis 8 Metern weit geringere Dimensionen.

...allerdings nicht bis heute

Seit langem kursieren immer wieder Gerüchte, einzelne Exemplare des «Megalodons» hätten in den Tiefen der Meere bis heute überlebt - schliesslich sind 90 Prozent der Meere noch unerforscht. Auch der Film «The Meg» geht von dieser Legende aus.

Hans-Jakob Siber hält nicht viel davon. Dass einzelne Tiere bis heute überlebt haben, hält er für so gut wie unmöglich. Denn um sich fortzupflanzen, brauche es eine grosse Population, weil es sonst zu Inzucht und infolgedessen genetischen Krankheiten komme, welche die Population wieder dezimieren. Und eine grosse «Riesenzahn»-Population wäre nicht zwei Millionen Jahre unentdeckt geblieben.

Sollten wie damals in der Folge des Films «Jaws» Ängste auftauchen, von einem prähistorischen Monsterhai gefressen zu werden, so sind diese gänzlich unbegründet. Selbst Opfer «normaler» Haie sind selten. Jährlich werden um die 75 Menschen von Haien verletzt oder getötet. Zum Vergleich: Jährlich sterben etwa 150 Menschen an Verstopfung. (rvr/sda)

Erstellt: 16.04.2018, 12:22 Uhr

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