Mehr Dürren, weniger Eiseskälte

Tausende neue Studien versetzen den Weltklimarat in Alarmstimmung: Naturkatastrophen werden in den Industrieländern zu mehr wirtschaftlichen Schäden führen.

Sieht aus wie die Sahara, liegt aber in Europa: Rumänen unterwegs in einem ausgetrockneten Flussbett 200 Kilometer nördlich von Bukarest. (2. Dezember 2011)

Sieht aus wie die Sahara, liegt aber in Europa: Rumänen unterwegs in einem ausgetrockneten Flussbett 200 Kilometer nördlich von Bukarest. (2. Dezember 2011) Bild: AFP

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Der Weltklimarat IPCC warnt vor einer Zunahme von Extremwettern infolge des Klimawandels. Extreme Temperaturen und Hitzewellen hätten seit 1950 zugenommen, heisst es in einem heute in Genf veröffentlichten Bericht. Es sei «quasi sicher», dass es im Verlauf des 21. Jahrhunderts weltweit häufiger sehr heiss ist und weniger oft sehr kalt.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit erwartet der IPCC längere und extremere Dürren in vielen Teilen der Welt, unter anderem im Mittelmeerraum, in Teilen Amerikas und im südlichen Afrika. Das könne auch in Mittel- und Nordeuropa geschehen, allerdings seien die Vorhersagen dafür nicht ganz so sicher. Hitzewellen werden in den meisten Regionen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit häufiger, länger und extremer. Zudem werde die Zahl der Starkniederschläge im 21. Jahrhundert mit hoher Wahrscheinlichkeit zunehmen. Vor allem in Ostafrika erwartet der IPCC einen Anstieg der Niederschlagsmenge.

Stärkere Hurrikans

Auch mit einer Zunahme der Windstärke von tropischen Stürmen wie Hurrikans rechnet das Gremium. Ihre Anzahl werde jedoch gleichbleiben oder gar sinken. Der Meeresspiegel werde mit hoher Wahrscheinlichkeit steigen, wie hoch genau, wird aber noch erforscht.

Mit ebenso hoher Wahrscheinlichkeit würden Naturkatastrophen in den Industrieländern zu mehr wirtschaftlichen Schäden führen, während in den armen Ländern die Zahl der Toten dadurch steigen werde. Von 1970 bis 2008 hätten die Entwicklungsländer mehr als 95 Prozent der weltweiten Todesfälle durch Naturkatastrophen verzeichnet.

Wissen vorhanden

Allerdings sind die Menschen laut dem IPCC den Veränderungen nicht hilflos ausgeliefert. «Wir verfügen über das nötige Wissen, um die richtigen Entscheidungen im Umgang mit klimatischen Risiken zu treffen. Doch nur selten vermögen wir daraus einen Vorteil zu ziehen», erklärte Chris Field, Co-Vorsitzender der Arbeitsgruppe II des IPCC.

Künftig müsse sowohl das Wissen erweitert als auch bessere Entscheidungen getroffen werden, selbst wenn es noch Unsicherheiten gebe. Der Präsident des IPCC, Rajendra Pachauri, betonte an einer Telefonkonferenz aber, dass sich der Mensch nicht nur anpassen müsse, sondern auch eine Reduktion des Ausstosses von Klimagasen notwendig sei.

«Es wird eng»

Thomas Stocker, Professor an der Universität Bern und Co- Vorsitzender der Arbeitsgruppe I, ist diesbezüglich wenig optimistisch. «Wenn wir ein Klimaziel von höchstens zwei Grad Erwärmung in diesem Jahrhundert erreichen wollen, dann müssen sämtliche Treibhausgas-Emissionen noch in diesem Jahrzehnt weltweit reduziert werden», erklärte er. «Es wird langsam eng.»

Am 592-seitigen Bericht des IPCC haben 220 Autoren aus 62 Ländern mitgearbeitet. Sie haben fast 19'000 Anmerkungen von Experten aufgenommen. Der Report hat Tausende weiterer Studien aufgenommen, die beim vorausgegangen IPCC-Bericht 2007 noch nicht zur Verfügung standen. Der Weltklimarat hatte die 19-seitige Kurzfassung des Reports für Politiker bereits im November 2011 veröffentlicht.

Hinweis: In einer früheren Fassung enthielt die Meldung im ersten Absatz folgende Aussage: Es sei «quasi sicher», dass im Verlauf des 21. Jahrhunderts weltweit die höchsten Temperaturen ansteigen und die tiefsten sinken werden. Diese Aussage ist nicht korrekt und wurde nach entsprechender Berichtigung durch die Agentur SDA korrigiert. (ami/sda)

Erstellt: 29.03.2012, 20:14 Uhr

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