Der Hungerbär

Millionen waren erschüttert wegen des verhungernden Eisbären. Gestorben ist er aber nicht, wie behauptet, wegen der Klimaerwärmung. Doch Fakten interessieren Aktivisten nicht.

Die Wildnis ist kein Disneyland.
Video: Youtube/Paul Nicklen


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Es ist ein erschütterndes Video. Ein junger, ausgemergelter Eisbär schleppt sich durch eine schneefreie Gerölllandschaft, wühlt vergeblich in einer Mülltonne nach Essen, sinkt auf den Boden, der Blick leer, der vergeblich kauende Mund voller Schaum.

Aufgenommen und unterlegt mit dem Klang weinender Geigen wurde dieser Clip von Paul Nicklen, einem Aktivisten der Meeresschutzorganisation SeaLegacy. Das Jungtier sei ein Opfer der Klimaerwärmung, erklärt Nicklen, das schmelzende arktische Meereis habe die Bären von ihrer Hauptnahrungsquelle, den Robben, abgeschnitten. «Während ich filmte, sind mir die Tränen über das Gesicht gelaufen», behauptet der Mann. «So sieht es aus, wenn man verhungert.» Das Video, aufgenommen letzten August in der kanadischen Arktis, ging um die Welt, internationale Blätter brachten die Story ungeprüft als Beweis für die düsteren Folgen der Erdaufheizung, bei Spiegel online schaffte es der traurige Hungerbär gar in die Wissenschaftsrubrik.

Polarbären sind Jäger. Wenn sie nicht mehr genug Beute machen, weil sie krank oder verletzt sind, zu alt oder zu unerfahren, verhungern sie. Hunger ist die häufigste natürliche Todesursache unter den Königen der Arktis. Die Wildnis, mitleidlos, ist kein Disneyland. Warum unser Bär so abgemagert war, weiss niemand. Sicher ist nur, dass er kein Opfer der Klimaerwärmung war, sonst würden Bärenskelette zuhauf herumliegen. Die Zahl der Polarbären ist stabil. Geschätzte 22'000 bis 32'000 Tiere leben und jagen laut Weltnaturschutzunion in den arktischen Gefilden, mehr als vor vierzig Jahren.

Im moralischen Ausnahmezustand

Doch Fakten interessieren Aktivisten wie Nicklen nicht, sondern nur das Storytelling, das Erzeugen von Emotionen, das Spiel mit Angst und Mitleid. Der Grund für das Verenden des gefilmten Bären sei «irrelevant», verriet seine Mitkämpferin Cristina Mittermeier von SeaLegacy.

Entscheidend sei gewesen, der Welt vorzuführen, wie der «Hungertod eines majestätischen Tiers» aussieht. Würden die Polarbären doch auf jeden Fall verhungern, falls man die Eisschmelze nicht stoppe. Grüne Apokalyptiker leben in einem moralischen Ausnahmezustand. Erlaubt sind alle Mittel, wenn es denn hilft, die Welt zu retten. Und die Spendenbereitschaft zu erhöhen.



(Basler Zeitung)

Erstellt: 12.12.2017, 14:46 Uhr

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