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Die Umwelt leidet unter dem weltweiten Avocado-Boom

Das «grüne Gold» verdrängt Wälder – und lockt Kartelle an.

Die Avocado-Ernte ist nicht ganz unproblematisch.

Die Avocado-Ernte ist nicht ganz unproblematisch. Bild: Keystone

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Seit Jahren ist die Avocado auf einem Siegeszug. Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) stieg die Fläche der weltweit kultivierten Avocadofelder von 2006 bis 2016 von 381'000 auf 564'000 Hektar.

Die meisten Avocados stammen aus Mexiko. Dort wurden im vergangenen Jahr fast zwei Millionen Tonnen der Früchte angebaut. Die Fläche wächst immer weiter. Es wird geschätzt, dass in einigen Regionen zwischen 600 und 1000 Hektar Wald pro Jahr vernichtet werden, um die Landnutzung zu ändern. Mexikanische Behörden machten in diesem Jahr einige kleine Produzenten dicht, die illegal Pinien fällten, um die Fläche für den Anbau der Avocados zu nutzen.

Laut einer mexikanischen Studie aus dem Jahr 2012, die von der Regierung in Auftrag gegeben wurde, hat der Anstieg der Produktion der Früchte zu einem Verlust an Artenvielfalt und zu Umweltverschmutzung und Bodenerosion geführt. Daneben schädigte er den natürlichen Wasserkreislauf und die einheimischen Arten.

Der Avocado-Boom ging in Mexiko nicht an den mächtigen Kartellen vorbei – auch die organisierten Kriminellen streckten die Finger nach dem «grünen Gold» aus. Die Produzenten wurden von Bandenmitgliedern bedroht und entführt. Daraufhin bildeten die Avocado-Bauern Verteidigungsgruppen, und sogar die Bundespolizei Mexikos intervenierte. Das Problem hat sich seitdem verringert, besteht aber immer noch.

Nachfrage steigt um die Hälfte

Nach Schätzungen des Landwirtschaftsministeriums wird die weltweite Nachfrage nach Avocados von 2017 bis 2030 um 48,98 Prozent steigen. Damit steige der weltweite Verbrauch auf 4,24 Millionen Tonnen pro Jahr.

Auch in Israel boomt der Handel mit der grünen Frucht, die Nachfrage übersteigt seit Jahren das Angebot. Angesichts der hohen Nachfrage und grosser Gewinne vergrössern immer mehr Landwirte in Israel die Avocado-Anbaugebiete. Diese verdrängten unter anderem die Anbaugebiete von Zitrusfrüchten, sagt ein Professor für Pflanzenökologie von der Universität Tel Aviv.

600 Liter Wasser pro Kilo

Problematisch sei dran unter anderem, dass Avocado-Bäume sehr viel Wasser brauchten. In ein Kilo Avocado fliessen demnach rund 600 Liter Wasser. Da die Bäume in Israel mit aufbereitetem Abwasser gegossen würden, bestehe die Sorge, dass schädliche Nano-Partikel aus dem Wasser in die Früchte eindringen könnten. Das aufbereitete Wasser könne auf Dauer auch dem Boden schaden.

Der Avocado-Boom hat auch Südafrika erreicht: Vor allem in den nordöstlichen Provinzen Limpopo und Mpumalanga, wo ein warmes und subtropisches Klima dominiert, ist die Anbaufläche seit dem Jahr 2000 stetig angewachsen; jedes Jahr kommen rund 1000 Hektar dazu. (Basler Zeitung)

Erstellt: 02.11.2018, 09:57 Uhr

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