Neapels Supervulkan könnte bald erwachen

Modellsimulationen und Experimente deuten darauf hin, dass sich die Phlegräischen Felder einem kritischen Zustand annähern.

Dampf steigt auf aus den Phlegräischen Feldern bei Neapel – einem schlummernden Supervulkan. (Foto: EPA/Cesare Abbate)

Dampf steigt auf aus den Phlegräischen Feldern bei Neapel – einem schlummernden Supervulkan. (Foto: EPA/Cesare Abbate)

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Der Supervulkan Phlegräische Felder bei Neapel könnte einer Eruption näher sein als bislang gedacht. Das behaupten Geologen des University College London (UCL) und des Vesuv-Observatoriums in Neapel. «Wir haben untersucht, wie der Untergrund der Phlegräischen Felder bricht und sich bewegt», sagt Christopher Kilburn, Direktor des Hazard Center der UCL und Co-Autor der Publikation. «So kommen wir zum Schluss, dass er sich vielleicht einem kritischen Zustand nähert, in dem weitere Bodenbewegungen die Wahrscheinlichkeit für eine Eruption erhöhen. Es ist wichtig, dass die Behörden darauf vorbereitet sind.»

Der aktuell unruhige Untergrund könnte eine Gefahr für die 360'000 Menschen darstellen, die heute in der kesselförmigen Struktur der Phlegräischen Felder, der sogenannten Caldera, leben. Auch für die drei Millionen Einwohner von Neapel direkt östlich der Caldera steigt die Gefahr, wie die Forscher in «Nature Communications» schreiben. Die grössten Bodenbewegungen wurden nahe der Küstenstadt Pozzuoli gemessen. Dort hob sich der Boden seit 1950 um drei Meter an.

Millionenstadt Neapel, wenige Kilometer östlich des Supervulkans gelegen. Im Hintergrund der Vesuv. (Foto: AFP PHOTO / GABRIEL BOUYS)

Im letzten Jahrhundert erlebten die Phlegräischen Felder bereits mehrere jeweils etwa zweijährige Unruhephasen: 1950, 1969 und 1982. In den Jahren 1970 und 1983 wurden Zehntausende Menschen aus Pozzuoli evakuiert. Es kam aber nicht zum Ausbruch des Vulkans. Daher machen sich die Forscher Sorgen, die Bevölkerung könnte die zunehmende Gefahr, die vermutlich von den Phlegräischen Feldern ausgeht, nicht ernst nehmen.

Letzter grosser Ausbruch vor 39'000 Jahren

Eine ähnliche Unruhephase wie seit 1950 ereignete sich vor der eher kleinen Eruption von 1538. Der letzte grosse Ausbruch des Supervulkans fand vor 39'000 Jahren statt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird die aktuelle Bodenbewegung durch steigenden Druck in 2,5 bis 3 Kilometern Tiefe verursacht. Der Druck wird demnach durch Magma erhöht, das aus einem Reservoir in sieben bis neun Kilometern Tiefe aufsteigt. Im Laufe der aktuellen Unruhephase wurden im Bereich der Phlegräischen Felder rund 26'000 Mikrobeben registriert, auch vulkantektonische Ereignisse genannt.

Bislang gingen die Forscher davon aus, dass die heutige Situation mit der letzten Unruhephase von 1982 vergleichbar ist. Das impliziert jedoch, dass sich die damals aufgebauten Spannungen in der Zwischenzeit wieder abgebaut haben. Dem widersprechen Daten, die in den letzten Jahren mit einem 500 Meter tiefen Bohrloch in die Phlegräischen Felder gewonnen wurden. Die Daten deuten an, dass sich der Druck in der Erdkruste der Caldera im Laufe der letzten Unruhephasen immer weiter aufgebaut hat. Künftige Unruhephasen würden die Phlegräischen Felder demnach weiter in Richtung einer kritisch hohen Spannung der Kruste treiben und mithin das Risiko für eine Eruption erhöhen.

Langfristiger Spannungsaufbau

In der Studie haben die Forscher ein neues Modell über das sowohl elastische als auch brüchige Verhalten der Erdkruste eingesetzt. Sie folgern, dass die ganze Sequenz an Unruhephasen seit 1950 Teil einer einzigen, langfristigen Entwicklung sind, bei der sich Spannungen in der Erdkruste aufbauen und die Kruste zunehmend beschädigt wird. Setze sich der Trend fort, schreiben die Forscher, werde ein grosser Bruch in der Erdkruste wahrscheinlicher als zu früheren Unruhephasen.

Touristen besuchen die Phlegräischen Felder. (Foto: EPA/CESARE ABBATE)

Nur weil die früheren Bodenbewegungen von 1950, 1969 und 1982 nicht zu einem Ausbruch geführt hätten, bedeute jedenfalls nicht, dass das künftig nicht der Fall sein könnte, schreiben die Forscher. «Wir wissen nicht, ob oder wann diese langfristige Unruhe zu einer Eruption führt», sagt Kilburn. «Aber die Phlegräischen Felder folgen einem Trend, den wir gesehen haben, als wir unser Modell anhand von anderen Vulkanen getestet haben.»

Beim letzten grossen Ausbruch vor 39'000 Jahren spuckte der Vulkan circa 320 Kubikkilometer Material aus. Eine Eruption dieser Grösse erreicht den Vulkanexplosivitätsindex 7 von maximal 8. Das wäre nicht nur fatal für die Region Süditaliens, ein solcher Ausbruch könnte das Klima ganz Europas über Jahre erheblich verändern. Zudem wäre im Mittelmeer mit einem massiven Tsunami zu rechnen. Über die Anzahl möglicher Opfer lässt sich nur spekulieren. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.05.2017, 16:26 Uhr

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