Wanderer tun der Flora gut

Menschen sind für die Verbreitung von Pflanzensamen womöglich wichtiger als bislang vermutet – dank ihrer Wanderlust.

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Pflanzensamen werden in vielen Fällen durch den Wind verbreitet, wie Kinder schon in den ersten Schuljahren lernen, und Blütenpollen durch Insekten wie Bienen. Nicht selten helfen aber auch Menschen dabei, die Nachkommen einer Pflanze über weitere Strecken zu verbreiten – dank ihrer Wanderschuhe, an denen Samen haften, wie Forscher vom Zentrum für Ökologie und Hydrology im britischen Wallingford nun herausgefunden haben.

Wandern für die Wissenschaft

Um die Verbreitung der Arten Brassica oleracea (Gemüsekohl) und Brassica nigra (Schwarzer Senf) zu untersuchen, wählten sie ein beliebtes Wanderrevier aus: den «South West Coast Path», der sich über 1014 Kilometer von Dorset in Südengland bis Somerset an der nördlichen Küste zieht. Nahe Dorset sammelten die Umweltkundler Samen der beiden Arten ein und benutzten sie später für ein simples Experiment: Zahrleiche Probanden mussten die Rillen der Sohlen ihrer Wanderschuhe oder Gummistiefel zunächst mit festgelegtem Bodenmaterial füllen und anschliessend in Kisten stampfen, die Samen von einer oder beiden Arten enthielten.

Nach dieser Prozedur mussten die Versuchsteilnehmer- und teilnehmer auf dem Institutsgelände festgelegte Distanzen abschreiten; im Anschluss an jede Etappe wurden die verbliebenen Samen gezählt. Wie sich zeigte, fiel zwar die Hälfte innerhalb von fünf Metern wieder hinab – doch manche blieben sogar über längere Strecken von mehr als fünf Kilometern an der Sohle haften.

Erst mit dem Wind, dann an den Sohlen

Welche Rolle der Wind bei der Verbreitung der Samen entlang des Küstenpfades spielt, untersuchten die Ökologen mit Analysen und Modellen der meteorologischen Verhältnisse und des Samenflugs – und kamen zu dem Schluss, dass der Wind nur auf kurze Distanzen bis zu 250 Metern ein entscheidender Faktor ist. Auf längeren Entfernungen dürften also auch die Schuhe der Wanderer eine wichtige Rolle spielen, nachdem der Wind die Samen auf die Wege geblasen hat.

Bis zu zehn Kilometer, so glauben die Forschern nach ihrer Untersuchung, könnten Menschen solche Pflanzensamen befördern und damit eine wichtige Rolle bei deren Verbreitung spielen – vor allem entlang beliebter Pfade wie dem britischen Südwestküsten-Pfad, den pro Jahr etwa 23 Millionen Wanderer beschreiten.

Erstellt: 01.10.2008, 15:34 Uhr

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