Warum die Tage kürzer, aber trotzdem wärmer werden

Heute ist Sommersonnenwende – das müssen Sie über den längsten Tag des Jahres wissen.

Endlich Sommer: 5 Fakten zur Sonnenwende. (Video: Tamedia/SDA)

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Bereits um 5.30 Uhr ging diesen Morgen die Sonne auf, erst um 21.24 Uhr abends wird sie wieder hinter dem Horizont verschwinden – nach fast 16 Stunden. An keinem Tag in diesem Jahr ist es in der Schweiz länger hell als heute, dem Zeitpunkt der Sommersonnenwende.

Der früheste Sonnenaufgang ereignet sich zwar nicht am längsten Tag, sondern einige Tage vorher. Dieses Jahr ging die Sonne zwischen dem 14. und 17. Juni schon um 05.29 Uhr auf, also eine Minute eher, verabschiedete sich am Abend aber auch früher wieder.

Heute wird sie gut 15 Stunden und 54 Minuten scheinen, ab morgen nimmt die Helligkeit wieder schrittweise ab. Die Sommersonnenwende findet überall gleichzeitig, aber nicht immer am gleichen Tag statt. Derzeit ist sie am 21., in zwei Jahren am 20. Juni.

Zur eigentlichen Wende kam es heute um 12.07 Uhr: Dann befand sich die Erde auf ihrem Weg um die Sonne an jenem Punkt, an dem die Nordhalbkugel der Sonne maximal zugeneigt ist. Denn die Achse, um die unser Planet rotiert, ist nicht senkrecht, sondern hat eine Neigung von 23,4 Grad.

Die Neigung der Erdachse führt dazu, dass die Tage derzeit umso länger sind, je näher man sich am nördlichen Polarkreis befindet. In Hamburg beispielsweise dauert der längste Tag des Jahres mehr als eine Stunde länger als in Zürich oder Bern.

Ab morgen wird die Sonneneinstrahlung überall wieder schwächer. Trotzdem markiert die heutige Sonnenwende unseren astronomischen Sommeranfang. Die mittleren Temperaturen werden noch mehrere Wochen steigen. Der längste Tag ist im Durchschnitt also nicht der wärmste.

Der Grund: Die Atmosphäre reagiert sehr träge und wärmt sich noch weiter auf. Die Temperaturen erreichen im Juli generell höhere Werte als im Juni. Im Vergleich mit der Intensität der Sonneneinstrahlung sind die Jahreszeiten rund sechs Wochen verspätet. Es dauert deshalb eine Weile, bis einem die kürzeren Tage auch wirklich auffallen.

Überall auf der Nordhalbkugel steht die Sonne heute so hoch wie sonst nie während des Jahres. In der Schweiz erreichte sie eine Höhe von etwa 66,5 Grad über dem (mathematischen) Horizont. Im ersten Monat nach der Sommersonnenwende fällt die Mittagshöhe der Sonne bloss um wenige Grad und die Tageslänge nimmt nur um einige Minuten ab. Erst im zweiten und vor allem dritten Monat – im September wird es bereits zwei Stunden früher dunkel – werden die Tage auch gefühlt kürzer.

Psychologisch ist der heutige Tag für viele Schweizerinnen und Schweizer trotzdem schon ein Grund, wehmütig zu sein. Schliesslich geht es ab heute wieder abwärts, werden die Tage wieder Stück für Stück kürzer, scheint die Sonne täglich ein bisschen weniger lang.

In anderen Teilen der Welt ist das kein Thema – im Gegenteil: Gerade die Menschen in skandinavischen Ländern sowie im Baltikum, wo die Nächte zu dieser Jahreszeit kaum dunkel werden, feiern die Sommersonnenwende beziehungsweise das Mittsommerfest. Aber auch anderswo sind Feste Tradition – nicht selten mit mystischen Elementen. Eine Auswahl spezieller Bräuche:

Schweden:
Blumen unters Kopfkissen

Mädchen und junge Frauen mit Blumenschmuck: Schweden feiern den «Midsommar». (Bild: Getty Images)

«Midsommar» ist für die Schweden nach Weihnachten das zweitgrösste Fest des Jahres. Unverheiratete Mädchen pflücken sieben Sorten wilder Blumen von sieben verschiedenen Wiesen, die sie dann während der Nacht unter ihr Kopfkissen legen. Dann sollen sie der Legende nach von dem träumen, den sie irgendwann einmal heiraten werden.

Dänemark:
Feuer gegen das Böse

Soll symbolisch die bösen Kräfte fernhalten: Die Dänen verbrennen traditionell eine Strohhexe. (Bild: Getty Images)

Wesentliche Bestandteile des dänischen Sankt-Hans-Festes sind Volkslieder sowie das Verbrennen einer Strohhexe im Feuer. Das Feuer soll symbolisch die bösen Kräfte fernhalten.

England:
Beten bei Stonehenge

Hier vermischen sich verschiedenste religiöse und mythische Bräuche: Der längste Tag des Jahres in Stonehenge. (Bild: Getty Images)

Die jahrtausendealten Steinformationen von Stonehenge im Süden Englands ziehen seit jeher viele Menschen an – besonders aber während der Sonnenwenden. Auch heuer werden wieder Tausende Sonnenanbeter, die teilweise als Druiden oder Fabelwesen verkleidet sind, den längsten Tag des Jahres zusammen feiern. Es wird getrommelt, getanzt und gebetet.

Lettland:
Gräser mit Heilkraft

Auch hier Natur und Feuer: Ein Lette mit einem Kranz aus Eichenlaub und einer Fackel. (Bild: Reuters)

Die lettische Mythologie spricht allen Gräsern und Blumen, welche am Tag vor Mittsommer gesammelt werden, spezielle Heilkraft für Mensch und Tier zu. Traditionell schmücken sich die Frauen mit Blumenkränzen, während die Männer Kränze aus Eichenlaub tragen. Sowohl die Türen der Häuser als auch ausgesuchte Räume und Stallungen, aber auch die Tiere werden damit geschmückt.

Ukraine, Russland:
Die Zukunft lesen

Legen mit Kerzen bestückte Blumenkränze ins Wasser: Russische Frauen beim Mittsommerfest. (Bild: Getty Images)

Auch viele Bräuche am Iwan-Kupala-Tag sind mit dem Feuer und sich entfaltenden magischen Kräften von Pflanzen und der Selbstreinigung verbunden. Eine wichtige Rolle spielt aber auch Wasser. Es ist üblich, dass junge Frauen mit Kerzen bestückte geflochtene Blumenkränze in Flüsse niederlassen und anhand ihres Driftens im Wasser die eigene Zukunft ablesen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.06.2018, 15:07 Uhr

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