Das Lampenkartell

Der planmässige Zerfall der im Kapitalismus produzierten Waren ist ein Klassiker der sozialistischen Weltsicht. Dabei ist es nichts anderes als eine Verschwörungstheorie.

Überall soll die Industrie Teile eingebaut haben, die schnell – idealerweise nach Ablauf der Garantie – kaputtgehen. Ein (modernes) Märchen.

Überall soll die Industrie Teile eingebaut haben, die schnell – idealerweise nach Ablauf der Garantie – kaputtgehen. Ein (modernes) Märchen.

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Eigentlich ist das «Glühbirnenkartell» ein ziemlich alter Hut, fast hätte man es im Zeitalter der Energiesparlampen vergessen. Jetzt erinnert der Dresdener Autor Ingo Schulze in seinem Roman «Peter Holtz. Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst» daran. In einem Gespräch zwischen dem Ich-Erzähler, stolzer Besitzer eines gelben Porsches, und einer eingefleischten Sozialistin erklärt ihm diese, worum es beim Glühbirnenkartell ging. Angeblich legten die führenden Hersteller 1924 im Rahmen des sogenannten Phoebus-Kartells fest, dass die Lebensdauer der Glühbirnen von mindestens 2000 auf 1000 Stunden reduziert wurde. Alles nur, um den Verkauf anzukurbeln. Dass diese Geschichte von einer linken Frau erzählt wird, ist kein Zufall.

Der planmässige Zerfall der im Kapitalismus produzierten Waren ist ein Klassiker der sozialistischen Weltsicht. Man hört und liest das bis heute im Zusammenhang mit Kühlschränken, Staubsaugern, Druckern und anderen Geräten. Überall soll die Industrie Teile eingebaut haben, die schnell – idealerweise nach Ablauf der Garantie – kaputtgehen und den Käufer dazu zwingen, ein neues Gerät anzuschaffen. Man spricht von «geplanter Obsoleszenz».

Nach marxistischer Lesart ist die Konkurrenz unter den produzierenden Firmen nur Schein.

In meinen Studentenjahren lasen wir alle das Suhrkamp-Bändchen «Kritik der Warenästhetik» von Wolfgang Fritz Haug, Professor in Berlin. Haugs «Warenästhetik» prägte das Denken linksorientierter Akademiker in den deutschsprachigen Ländern ähnlich stark wie «Das Kapital» von Karl Marx. Während dieser Schinken philosophisch und ökonomisch überaus anspruchsvoll ist und man allein mit den ersten Kapiteln ganze Semester verbringen konnte, verblüffte Haug mit einer Kapitalismuskritik, die streng marxistisch, zugleich aber kurz, knackig und konkret war. Haug analysiert darin die Verführungskraft der Warenwelt im «Monopolkapitalismus». Nach marxistischer Lesart ist die Konkurrenz unter den produzierenden Firmen nur Schein, in Wirklichkeit stecken die miteinander wetteifernden Unternehmen unter einer Decke und tendieren zum Monopol.

Man kann dieses nur 170 Seiten starke Buch – es erlebte nach der Erstveröffentlichung 1971 zahlreiche Auflagen und bekam 2009 eine aktuelle Fortsetzung – noch heute mit Gewinn lesen. Viele von Haugs Beobachtungen sind nach wie vor triftig, auch wenn der Kapitalismus sich gewandelt hat – Monopole gibt es vor allem dort, wo der Staat die Finger im Spiel hat. Aber an der Macht der Werbung und der Marken kann man kaum zweifeln, wenn man sieht, wie viele Menschen auf Markenartikel wie Apple-Smartphones oder Adidas-Schuhe fixiert sind.

Dass westliche Autos weniger lange halten als solche der «sozialistischen» Marken Trabant und Wolga, ist gleichwohl eine Mär.

Haug glaubte auch, dass die westlichen Autos so konstruiert sind, dass sie nach wenigen Jahren kaputtgehen und ersetzt werden müssen. Zwar ist bekannt, dass die Firma General Motors schon in den Zwanzigerjahren des 20. Jahrhunderts Autofahrer durch alljährlich eingeführte Neuerungen mit sanfter Gewalt zwingen wollte, häufiger Neuwagen zu kaufen. Aber dass westliche Autos weniger lange halten als solche der «sozialistischen» Marken Trabant und Wolga, ist gleichwohl eine Mär. So reizvoll die Theorie von der geplanten Obsoleszenz auf den ersten Blick anmutet, so wenig nachweisbar ist sie. Experten sprechen von einer «modernen Legende» oder einer Verschwörungstheorie.

Zurück zu den Glühlampen: In einer Feuerwache in Kalifornien brannte eine altmodische Glühbirne über 110 Jahre lang. Moderne Energiesparlampen halten laut der deutschen Stiftung Warentest dagegen nur zwischen 6000 und 15'000 Stunden. Vielleicht gibt es so etwas wie ein Energiesparlampen-Kartell.? (Basler Zeitung)

Erstellt: 14.09.2017, 15:20 Uhr

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