Erster elektrifizierter Highway für Lastwagen

Hybrid-Lastwagen fahren seit gestern in Schweden auf einem Autobahnstück, das mit elektrischen Oberleitungen ausgerüstet ist.

Hybridlastwagen mit Oberleitung auf schwedischer Autobahn. Foto: Scania CV AB

Hybridlastwagen mit Oberleitung auf schwedischer Autobahn. Foto: Scania CV AB

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Schweden hat grosse Pläne: Bereits in 15 Jahren soll der Güterverkehr keine Treibhausgase mehr produzieren. Die Transportbranche soll sich vom Verbrennungsmotor verabschieden. Der nationale Güterverkehr rollt laut dem EU-Statistik-Onlineportal zum grössten Teil über die Strasse. Eine Verlagerung auf die Schiene ist wie in der Schweiz zwar eine Option, die Kapazitäten der Bahn werden aber dafür nicht aus­reichen.

Deshalb will Schweden neue Wege gehen: Gestern eröffneten die schwedische Infrastrukturministern Anna Johansson und der Energieminister Ibrahim Baylan die erste E-Highway-Testfahrbahn auf einer öffentlichen Strasse. Auf einem zwei Kilometer langen Autobahnabschnitt der E 16 nördlich von Stockholm fahren in den nächsten zwei Jahren zwei Diesel-Hybridlastwagen des Fahrzeugherstellers Scania mit einem elektrischen Oberleitungssystem von Siemens, wie das bei Trolleybussen eingesetzt wird. Das teilte gestern der deutsche Technologiekonzern mit. Die schwedische Transportbehörde will mit dem zweijährigen Testbetrieb prüfen, ob sich das E-Highway-System für einen Dauereinsatz eignet.

Die Hybridlastwagen werden durch einen Diesel- und einen Elektromotor angetrieben. Der Stromabnehmer der Lastwagen kann bis zu einer Ge­schwindigkeit von 90 Kilometern pro Stunde an den Oberleitungen an- und abdocken. Durch das Hybridsystem ist das Fahrzeug flexibel. Es kann über­holen oder auf Strassen fahren, die nicht «elektrifiziert» sind. Das ist denn auch der Unterschied zu Trolleybussen, die an eine Spur gebunden sind. Bremst der Lastwagen zum Beispiel, produziert er wie bei allen Elektro- und Hybridfahrzeugen Strom, der über die Fahrleitung ins Versorgungsnetz zurückgespeist wird.

Energieverbrauch halbiert

Die Siemens-Ingenieure sind laut Mitteilung überzeugt, dass eine elektrifizierte Autobahn energetisch doppelt so effizient ist im Vergleich zu Verbrennungsmotoren – und vor allem frei von Emissionen. Die Voraussetzung ist allerdings, dass der Strom für die Lastwagen nicht von fossilen Quellen wie Kohlekraftwerken stammt. Experten erwarten bis zum Jahr 2050 mehr als doppelt so viel Treibhausgase aus dem Strassengüterverkehr, falls keine Massnahmen ergriffen werden. Die internationale Organisation World Business Council for Sustainable Development schätzt, dass die Transportleistung sich verdreifachen wird. Nur ein Drittel der zusätzlichen Gütertransporte lasse sich weltweit auf die Bahn verlegen. In Schweden wie auch der Schweiz verursacht der Verkehr rund ein Drittel der CO2-Emissionen, davon stammt die Hälfte aus dem Güter­verkehr. Siemens baut derzeit auch in Kalifornien mit dem Fahrzeughersteller Volvo einen E-Highway – auf der Strasse von den Häfen in Los Angeles und Long Beach zu den küstennahen Güter­bahnhöfen. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.06.2016, 19:23 Uhr

So funktioniert der eHighway (Siemens)

Artikel zum Thema

Tesla will 2018 eine halbe Million Elektroautos produzieren

Die vielen Vorbestellungen für das Model 3 von Tesla werden zur Herausforderung für den Elektroauto-Hersteller. Firmenchef Musk fährt die Produktion hoch. Mehr...

Warum Chinas Ingenieure Tesla links liegen lassen

Die frei zugänglichen Patente des Elektroauto-Herstellers lösen in China kein Interesse aus. Weil die eigene Technik schon weit gediehen ist. Mehr...

Blogs

Sweet Home So richten Sie geschickter ein

Tingler Neuer Name, neues Glück

Die Welt in Bildern

Volle Lippen: Indische Künstler verkleiden sich während des Dussehra Fests in Bhopal als Gottheit Hanuman. (19.Oktober 2018)
(Bild: Sanjeev Gupta/EPA) Mehr...