Mein Astra und Weibels Tesla

Umweltfreundlich leben, bedeutet exklusiv leben. Würden alle Elektroautos fahren, dann müssten unzählige neue Kraftwerke gebaut werden.

Allein für die Herstellung der Batterien eines Teslas werden schier unvorstellbare 17,5 Tonnen CO2 in die Luft geblasen.

Allein für die Herstellung der Batterien eines Teslas werden schier unvorstellbare 17,5 Tonnen CO2 in die Luft geblasen.

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Okay, dann setze ich mich halt jetzt dem Vorwurf aus, kleinlich zu sein. Oder neidisch. Und wenig umweltfreundlich. Oder alles zusammen. Fangen wir zuerst mit den Zahlen an: Bis Ende Mai wurden in der Schweiz 127'000 neue Autos verkauft. Gerade mal 1541 oder 1,2 Prozent waren Elektroautos. Nun gibt es diese fixe Idee, dass Elektroautos gut seien und solche mit Verbrennungsmotoren böse. Von wegen Umwelt uns so. Deshalb müsse man den Absatz von Elektroautos fördern. Zum Beispiel, indem der Staat jedem, der ein elektrisch angetriebenes Auto kauft, aus Steuermitteln einen Barbetrag auszahlt (eidgenössisch). Oder einen kräftigen Rabatt auf die Autosteuer gewährt (kantonal). Um die Welt und das Klima zu retten. Gleich als nächste Stufe drohen die Verbote.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie vor ein paar Jahren gesagt wurde, das Dieselmotoren viel umweltfreundlicher seien als Benzinmotoren, von wegen CO2 und reduziertem Verbrauch. Weil ich das geglaubt hatte, habe ich aus Umweltschutzgründen lange Jahre ein Dieselfahrzeug gefahren. Und stehe heute als Idiot da.

Nun ist es halt so, dass wenn alle das scheinbar Richtige tun, das System irgendwann kippt. Die unbequeme Wahrheit: Umweltfreundlich leben, bedeutet exklusiv leben. Weil es weder genügend Biofisch noch Biofleisch noch Biogemüse für alle gibt. Würden also alle Elektroautos fahren, dann wären bis zum Jahr 2050 allein in Deutschland zusätzlich «20 Gaskraftwerke, 5000 Offshore-Windkraftanlagen, 35'000 Windkraftanlagen an Land, eine Million Blockheizkraftwerke für grössere Gebäude oder 27 Millionen kleine Solaranlagen auf Privathäusern nötig» (Manager Magazin).

Kommen wir also zum auf lange Zeit noch exklusiven Tesla S von SVP-Landrat Hanspeter Weibel. Ein tolles Auto mit allem technischen Firlefanz, das dank seinen 772 PS von 0 auf 100 derart beschleunigt, dass daneben selbst ein Porsche (hatte mal einen) ziemlich alt aussieht. Obwohl das Auto wegen der grossen und schweren Batterien satte 2,3 Tonnen wiegt. So ein Elektrofahrzeug aus dem Hause Tesla kann in der Topausstattung gut und gerne 140'000 Franken kosten.

17,5 Tonnen CO2

Ein Tesla ist das Zweitauto für vermeintlich umweltbewusste Männer jenseits der fünfzig. Solche also, die sich Sorgen ums Klima machen und auf einen Mercedes, Audi, BMW, Maserati oder eben Porsche verzichten. Wenn Herr Weibel sein Auto im Elisabethenparking gleich beim Eingang hinstellt , dann wird er im Stadtkanton dafür belohnt. Er kann auf den exklusiven Parkfeldern die Batterien seines Teslas gratis aufladen.

Ich fahre einen Opel Astra. Wobei – die meiste Zeit steht das Auto einfach rum. Was nicht allein das umweltfreundliche an meinem Opel ist. Eine neueste schwedische Studie hat nämlich ergeben, dass ich acht Jahre mit meinem Kleinwagen herumfahren kann, bis mich Herr Weibel mit seinem Tesla in Sachen Öko-Bilanz schlägt. Weil allein für die Herstellung der Batterien seines Elektroautos schier unvorstellbare 17,5 Tonnen CO2 in die Luft geblasen werden.

Spätestens jetzt werden die Leser etwas ungehalten fragen, was ich eigentlich gegen Herrn Weibel und seinen Tesla habe. Nichts. Eigentlich. Ausser dass Landrat Weibel in einem Vorstoss einen Autosteuerrabatt von 50 Prozent fordert, weil er sein Auto als «politisch förderungswürdig» erachtet. Das ist, auf den Punkt gebracht, ziemlich dreist. (Basler Zeitung)

Erstellt: 21.06.2017, 14:56 Uhr

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