Churer Firma holt Drohnen vom Himmel

Ein Start-up entwickelte eine Anti-Drohnen-Waffe. Sie neutralisiert Drohnen mithilfe eines Netzes.

Das Netz verfängt sich in den Rotoren, und die Drohne stürzt ab: Im Video zeigt ein Miterfinder, wie die Waffe funktioniert. Video: SDA

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das sogenannte Drohnenabwehrsystem sieht aus wie eine Pistole mit extra dickem Schalldämpfer und passt in einen Handkoffer. Es verschiesst ein feines Netz aus reissfesten Kunststofffasern. Dieses wickelt sich in die Rotoren der sogenannten Multikopter und bringt sie sofort zum Absturz.

Am Mittwoch wurde die Anti-Drohnen-Waffe in Chur erstmals den Medien präsentiert. Die Anti-Drohnen-Pistole verschiesst ein zwei mal zwei Meter grosses Netz, das sich kurz nach dem Abschuss im Flug aufspannt. Die Reichweite beträgt 30 bis 50 Meter.

Ein Koffer mit Schussgerät und fünf Netzladungen kostet je nach Vertriebsland 4000 bis 5000 Euro. In der Schweiz gilt das Gerät als Waffe. Zu dessen Kauf ist ein Waffenerwerbsschein nötig, für den Einsatz ein Waffenschein.

Weltneuheit aus Chur

Der Drohnenfänger ist offenbar eine Weltneuheit, wie Sicherheitsexperten bestätigen. Netze verschiessende Geräte gibt es zwar, aber sie funktionieren entweder nur auf wenige Meter Distanz, oder sie haben die Grösse und das Aussehen eines Raketenwerfers.

Entwickelt wurde das Gerät vom Start-up Droptec, einer Tochterfirma des Churer Automobilzulieferers Polycontact. Die Entwicklungskosten beliefen sich auf eine Million Franken. Laut Christian Gauer von Droptec wurde die Entwicklung des Drohnenfängers «durch Mitarbeiter der Kantonspolizei Graubünden» initiiert – mit Blick auf die Sicherheit am alljährlichen World Economic Forum in Davos.

Die Kantonspolizei Graubünden hat das Gerät im Januar am WEF eingesetzt, wie Kommunikationschefin Anita Senti auf Anfrage erklärte. Weitere Auskünfte zur Anti-Drohnen-Waffe erteilt die Kantonspolizei nicht – auch nicht über die Anzahl eingesetzter Geräte oder ob diese gegen Drohnen abgefeuert wurden.

Strafanstalt Lenzburg von Gerät überzeugt

Auskunftsfreudiger zeigt sich die Justizvollzugsanstalt Lenzburg im Kanton Aargau. Wie Direktor Marcel Ruf gegenüber der Nachrichtenagentur SDA erklärte, schaffte die Strafanstalt letzten Sommer zwei Anti-Drohnen-Pistolen an. Sie werden in Kombination mit einem Drohnenerkennungsradar eingesetzt.

Die grösste Gefährdung durch Drohnen sei das Einfliegen von Waffen, sagte Ruf. Ausserdem könnten Multikopter auch Mobiltelefone und Drogen über Gefängnismauern fliegen. In der Schweiz gab es laut Ruf bisher zwei solche Vorfälle, im Ausland eine Vielzahl.

Das «sehr professionell ausgeführte» Gerät aus Chur biete nun die Möglichkeit, Drohnen bis auf eine Distanz von 30 Metern «zuverlässig» vom Himmel zu holen. Es sei das erste Gerät auf dem Markt für Distanzen über 10 Meter. Das Interesse am Drohnenfänger sei weltweit gross, erklärte Droptec-Marketingchef Tom Lardelli.

Da der Markteintritt erst kürzlich erfolgt sei und Beschaffungsvorgänge durch die öffentliche Hand viel Zeit benötigten, seien die Verkaufszahlen bisher aber überschaubar. Für dieses Jahr rechnet das junge Unternehmen damit, Anti-Drohnen-Pistolen in einer dreistelligen Anzahl zu verkaufen. (cm/sda)

Erstellt: 07.02.2018, 17:16 Uhr

Artikel zum Thema

Drohne gekauft? Das gilt es zu beachten

Infografik Wann man eine Bewilligung braucht und wo Flüge verboten sind – die Übersicht zum Drohnenstopp. Mehr...

Diese Drohne lernt durch Imitation

Drohnen der Uni Zürich können selbstständig Strassen entlangfliegen, Velofahrer erkennen und Hindernissen ausweichen. Mehr...

Drohnenpilot gefährdet Flugzeug für ein Video

Video In den USA hat sich eine Drohne bis auf wenige Meter einem Airbus der Frontier Airlines genähert. Nun suchen die Behörden den Unbekannten. Mehr...

Kommentare

Blogs

History Reloaded Zwei Fäuste und ein Bild für die Ewigkeit

Die Welt in Bildern

Heftiges Wortgefecht: Ein palästinensischer Mann und ein israelischer Soldat geraten aneinander wegen der israelischen Order, eine Schule bei Nablus zu schliessen. (15. Oktober 2018)
(Bild: Mohamad Torokman) Mehr...