Ein kategorisches Njet zum ultimativen Businessjet

Die Tupolew Tu-160 «Black Jack» ist der grösste Überschalljet aller Zeiten. Der Hersteller wird von Superreichen immer wieder für eine zivile Luxusversion angefragt. Doch die Russen bleiben hart.

Eine Tupolev Tu-160 «Blackjack» wird über dem Kreml von einer Il-78 in der Luft betankt. Das Bild entstand anlässlich einer Militärparade im Mai 2015.

Eine Tupolev Tu-160 «Blackjack» wird über dem Kreml von einer Il-78 in der Luft betankt. Das Bild entstand anlässlich einer Militärparade im Mai 2015.

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Ende Mai fand in Genf das jährliche Branchentreffen der Geschäftsfliegerei statt, die European Business Aviation Convention and Exhibition EBACE. Alle waren dabei – Boeing und Airbus mit fliegenden Palästen, Kleineres von Bombardier oder Dassault. Vieles kommt mal nach Basel, wo am EuroAirport die feudalen Einrichtungen installiert werden. Auch der Schweizer Hersteller Pilatus mit seinem neuen Jet PC-24 war da. Der hat ein grosses Frachttor, kann auch auf Schotterpisten landen – ein heimlicher Star der Show.

Der grösstmögliche Star der Show war allerdings nicht da und wird nie kommen. Der Hersteller wird immer wieder angefragt, ob denn nicht und man würde jeden Preis bezahlen. Doch bisher war die Antwort immer «Njet». Nun hat ein Mitglied der Geschäftsleitung des Business-Jet-Verweigerers erklärt, weshalb es nie ein «Ja», beziehungsweise auf Russisch «Da», geben wird. Der ultimative Business-Jet ist die Tupolew Tu-160 «Black Jack». Das Flugzeug ist ein strategischer Bomber, elegant, gross und sehr schnell. Es ist der grösste Überschalljet aller Zeiten, mit 275 Tonnen Startgewicht 90 Tonnen schwerer als die Concorde, 20 Tonnen schwerer als die grösste Variante der Boeing 787 Dreamliner – und doppelt so schnell wie der Schall. Aber ein Ticket für den Dreamliner kann sich jeder kaufen, ein Dreamliner in Business-Konfiguration wenigstens jeder Oligarch.

«Ja, wir bekommen regelmässig Anfragen für Business-Varianten der Tu-160», sagt Valery Solozobov, Vice-President für Forschung und Entwicklung von Tupolew. Er ist einer jener Ingenieure, die typisch sind für die russische Flugzeugindustrie: bescheiden, gebildet, zurückhaltend und mit gigantischem Wissen. Eine Sitzung mit Leuten wie ihm ist wie gutes Kino – ein unvergessliches Erlebnis.

Solozobov kam zur Firma, als Gründer Andrej Tupolew noch regelmässig seinen kahlen Kopf in die Büros streckte. Er arbeitete in jenem Team, das in den 1970er- und 1980er-Jahren Flugzeuge entwickelte, die mit Erdgas und Wasserstoff flogen. Er sagt, ein Umbau der Tu-160 in ein Passagierflugzeug wäre möglich, aber nicht sinnvoll. Eine völlige Neuentwicklung wäre billiger und komfortabler.

«Black Jack» ist zwar gross, aber sein Rumpf ist nicht wie bei normalen Flugzeugen eine durchgehende Röhre, in der man den Luftdruck für die Passagiere erhöhen kann. Er ist als «Lifting Body», als Auftriebskörper und Teil des Flügels konzipiert und deshalb flachgedrückt.

Für den Aufenthalt von Menschen nicht geeignet

Der «Wohnbereich» mit dem Cockpit hat eine kleine Anrichte und eine Toilette, ist aber ansonsten eng und ungastlich. Dafür gibt’s für jedes der vier Besatzungsmitglieder einen Schleudersitz. Dahinter kommen Bomben- und Fahrwerkschächte und die hydraulischen Anlagen für die Schwenkflügel. Obwohl so gross wie ein moderner Airliner, ist der grösste Teil des Flugzeuges für den Aufenthalt von Menschen nicht geeignet. Einfach Fenster reinschneiden, Ledersofas und goldene Bad-Armaturen montieren geht nicht.

Eine der Hauptschwierigkeiten ist zudem, wie Valery Solozobov süffisant bemerkt, dass die meisten Technologien an der Tu-160 geheim sind. Das gilt vor allem für das alles entscheidende Triebwerk NK-321.

Es wurde einmal für Tests mit Boeing und der Nasa in eine Tu-144-Überschall-Passagiermaschine eingebaut. Das Resultat entsprach einer gedopten Concorde. Aber auch da durften die Amerikaner das Triebwerk nur mit dem Feldstecher anschauen.

Die ultimativen Business-Jet-Träume scheitern deshalb am kategorischen «Njet» einiger höflicher, bescheidener Ingenieure, die zwar selber nicht sehr viel haben, sich aber auch von unendlich viel Geld nicht beeindrucken lassen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 12.06.2018, 14:56 Uhr

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