Die Unzerstörbaren sind am Ende

Der berühmte Zürcher Zelthersteller Spatz schliesst die Produktion und den Laden in Wallisellen. Der Plan, die Firma neu zu lancieren, ging nicht auf.

Der Umzug nach Wallisellen funktionierte nicht wie geplant: Firmenbesitzer Marc Jansen, hier noch am alten Standort in Zürich. Bild: Dominique Meienberg

Der Umzug nach Wallisellen funktionierte nicht wie geplant: Firmenbesitzer Marc Jansen, hier noch am alten Standort in Zürich. Bild: Dominique Meienberg

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Sie waren braun und schwer, dafür unzerstörbar: die doppelwandigen Firstzelte der Marke Spatz. Doch das ist Vergangenheit, denn Spatz ist am Ende. Der Zürcher Zelthersteller mit 80-jähriger Vergangenheit gibt seinen Laden auf, den er vor eineinhalb Jahren bezogen hat, und stellt die Zeltproduktion ein. Die Mission von Besitzer Marc Jansen, das einstige Familienunternehmen in neue Sphären zu führen, ist gescheitert. «Ich habe versucht, die Marke Spatz zu neuem Leben zu erwecken, aber mein Plan ging nicht auf», sagt er.

Vor drei Jahren hat Jansen die Firma Spatz übernommen, indem er den 20 Mitarbeitern die Aktien abkaufte. Diese hatten zuvor per Inserat einen Käufer gesucht. Jansen war von einem Freund darauf aufmerksam gemacht worden und stellte sich der Aufgabe, obwohl er keine Erfahrung im Outdoorbereich hatte. Der Betriebswirt war Geschäftsleiter eines Fleischimporteurs gewesen.

Er trat schon bald als engagierter Firmeninhaber auf: Er erneuerte den Laden am alten Standort in Hottingen, erweiterte das Sortiment um Outdoorbekleidung, lancierte ein Leichtzelt und sprach davon, weitere neue Produkte in grösseren Auflagen zu lancieren. Das Ziel war klar: Spatz sollte an einem neuen Standort neu anfangen.

Drei Faktoren für den Misserfolg

Nachdem er vergeblich nach einem Standort in der Stadt gesucht hatte, bezog er im Oktober 2014 auf dem neuen Richti-Areal zwischen dem Bahnhof Wallisellen und dem Glattzentrum ein Ladenlokal im Erdgeschoss mit 1350 Quadratmetern. Parkplätze waren vorhanden. Doch die Geschäfte liefen nicht wie erwartet.

«Ich ging die Sache überhaupt nicht blauäugig an», sagt Jansen und nennt drei äussere Faktoren: Die letzte Wintersaison war schneearm, sodass die erhofften Verkäufe von Outdoorkleidern ausblieben. Dann kam der Frankenschock, und der vergangene Sommer war zu schön, als dass sich viele Freizeitbegeisterte neue Regenjacken gekauft hätten. Zuletzt der neue Standort, der nicht die Passantenfrequenz brachte, die Jansen kalkuliert hatte.

Lage nicht belebt wie versprochen

Eigentlich war der Plan, erst auf das Frühjahr 2015 nach Wallisellen zu ziehen. Jansen wollte nicht einer der ersten Mieter auf dem Areal sein, und ein Umzug im Frühling hätte besser in seinen Businessplan gepasst. Doch Besitzerin Allreal versprach ihm, dass bereits ein halbes Jahr früher alle Flächen vermietet seien und das Areal so belebt sei. Schliesslich gab er nach. Doch es kam anders. «Wir hatten kaum Laufkundschaft», sagt Jansen.

Zwar wohnen derzeit auf dem Areal 1200 Personen, und 3500 arbeiten dort. Doch wirklich belebt sei die Siedlung nie gewesen. Entsprechend schlecht liefen seine Geschäfte. Irgendwann fehlte Jansen das Geld, um die Miete zu begleichen, 215 Franken pro Quadratmeter. Seit Ende Jahr ist der Laden geschlossen, die Ladenfläche zur Vermietung ab sofort ausgeschrieben.

Vermieterin widerspricht

Besitzerin Allreal bedauert den Mieterverlust. Mediensprecher Matthias Meier sagt aber auch: «Wir haben niemandem Kundenfrequenzen versprochen.» Selbstverständlich achte man auf einen guten Mix für die Belebung. Aber er räumt ein, dass sie sich wegen der Nähe zum Glattzentrum mehr Laufkundschaft erhofft hätten. Diverse Erdgeschossmieter sind denn auch schon wieder ausgezogen. Derzeit stehen 23 Verkaufsflächen leer, 31 sind belegt. Es sei anspruchsvoll, die ebenerdigen Ladenflächen zu vermieten, sagt Meier.

Spatz habe, so Meier, von sich aus eines der grössten Ladenlokale ausgewählt, obwohl kleinere verfügbar gewesen wären, und einen zusätzlichen Innenausbau gemacht. Allreal sei dem Mieter wiederholt entgegengekommen. «Doch irgendwann kann es nicht mehr Sache des Vermieters sein, wenn die Geschäfte des Mieters nicht laufen.»

Die Frage der Reparaturen

Ausser jenen Mitarbeitern, die für die Reparaturen und Sonderanfertigungen zuständig waren, hat Jansen allen gekündigt, darunter drei Lernenden. Die Idee, dass sein Team von einem anderen Hersteller übernommen wird, scheiterte. Wie es mit den Reparaturen und Sonderanfertigungen weitergeht, ist noch unklar. Der Spatz-Besitzer selbst muss nach dem «herben Verlust» erst wieder Fuss fassen. Alles, was Marc Jansen sagt, ist: «Es ist keine schöne Zeit.» (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.01.2016, 08:11 Uhr

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