Der Geheimcode des Zurich Film Festival

Von Sylvester Stallone bis Hugh Grant: Wir haben entschlüsselt, wie der Preis fürs Lebenswerk vergeben wird. In der Umfrage wollen wir wissen, wer als Nächstes dran sein soll.

Warum er? Der diesjährige Preisträger Hugh Grant bei einer Veranstaltung in Hollywood.

Warum er? Der diesjährige Preisträger Hugh Grant bei einer Veranstaltung in Hollywood.

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Hugh Grant wird am Zurich Film Festival für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Ohne Frage ein sympathischer Typ – aber reicht das? Der Entscheid verstärkt den Eindruck, dass dieser bedeutungsschwere Preis in Zürich relativ locker vergeben wird, nach undurchsichtigen Kriterien. Dass geadelt wird, wer gerade verfügbar ist und die Massen anzuziehen verspricht.

Ganz so willkürlich ist die Wahl aber nicht. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich ein Muster, das die bisherigen Träger des Golden Icon Award verbindet. Ein hinreichend klares Muster, dass man sogar recht erfolgversprechende Wetten auf die zukünftigen Preisvergaben abschliessen könnte. Zum Beispiel, indem man auf Robert De Niro tippt, auf Harrison Ford oder Kevin Costner. Warum das so ist?

Anhaltspunkt eins: Das Zurich Film Festival hat einen Hang zum Trash – oder zumindest keinerlei Berührungsängste. Das zeigte bereits der erste Preisträger, Sylvester Stallone. Als dieser 2008 in Zürich geehrt wurde, hatte er in seiner ganzen Karriere weder einen Oscar noch einen Golden Globe gewonnen – und seine einzigen drei Nominierungen datierten alle zurück bis 1977, als er sein Debüt als Rocky gab.

Dafür hatte er im Multipack jene Preise eingeheimst, die keiner haben will: die Goldene Himbeere und den Stinkers Bad Movie Award für unterirdische Leistungen. Stallone ist in dieser Kategorie der Mann mit den meisten Nominationen und Siegen und wurde im Jahr 2000 konsequenterweise zum «schlechtesten Schauspieler des Jahrhunderts» gekürt.

Zürich zeichnete Stallone aus, als dieser im Kino zum x-ten Mal als «John Rambo» seine Gegner in blutige Fetzen schoss.

Dieser Entscheid wurde kürzlich erst mit der «Erlösungs-Himbeere» korrigiert, als Stallone für seine Rolle in «Creed» eine Oscar-Nomination und einen Golden Globe bekam. «From zero to hero» – die Würdigung des Zurich Film Festival zu einem Zeitpunkt, als Stallone im Kino zum x-ten Mal als «John Rambo» seine Gegner in blutige Fetzen schoss, bekommt im Nachhinein eine prophetische Note. Seither hat der 70-Jährige drei weitere, wenn auch nicht sonderlich bedeutende Preise für sein Lebenswerk erhalten. (Davor besass er nur einen von der Academy of Science Fiction, Fantasy & Horror Films.)

Trotzdem bleibt es dabei: Zürcher Preisträger wie Stallone, Arnold Schwarzenegger oder Richard Gere haben in ihrer Karriere deutlich mehr Negativpreise gewonnen als renommierte Auszeichnungen wie Oscars oder Golden Globes.

Anhaltspunkt zwei: Zürich ehrt Leute, deren Lebenswerk schon von anderen Festivals gewürdigt worden ist – und zwar von einer Handvoll der immer gleichen Veranstaltungen. Besonders augenfällig ist die Verbindung mit dem traditionsreichen Filmfestival von San Sebastian, mit dem Zürich 2013 eine Kooperation eingegangen ist. Prompt wurde in diesem Jahr an beiden Orten Hugh Jackman ausgezeichnet, ein Mann, dem diese Ehre sonst noch nirgends zuteilwurde. Aber schon in den Jahren vor der offiziellen Kooperation hatte Zürich mit Michael Douglas, Sean Penn und Richard Gere drei Schauspieler gewürdigt, die zuvor bereits im Baskenland zum Zug gekommen waren.

Eine andere Veranstaltung mit auffälligen Parallelen zum Zurich Film Festival ist der deutsche Film- und Fernsehpreis Goldene Kamera: Die beiden Veranstaltungen teilen sich drei Preisträger. Die letzten beiden, Diane Keaton und Arnold Schwarzenegger, waren im Februar des gleichen Jahres in Deutschland für ihr Lebenswerk gefeiert worden, später widerfuhr ihnen auch in Zürich diese Ehre. Parallelen gibt es überdies zu hierzulande eher unbekannten Veranstaltungen wie den Hollywood Film Awards (drei Übereinstimmungen), der Show der Publicists Guild of America (zwei) oder dem Dubai Film Festival (zwei).

Die Schlussfolgerung: Wer nur auf die Zürcher Vorliebe für die Träger möglichst vieler Trash-Preise achtet, muss für die kommenden Jahre Adam Sandler, Kevin Costner, Nicolas Cage oder John Travolta auf die Rechnung nehmen (Letzterer hat 2012 schon mal als Ehrengast an die Tür geklopft).

Topfavorit ist aber ein anderer: Robert De Niro, der zurzeit sein Lebenswerk mit anspruchslosem Ramsch ab Fliessband besudelt, zuletzt etwa mit der Komödie «Dirty Grandpa». Er wurde schon an drei jener Festivals ausgezeichnet, mit denen Zürich auf einer Wellenlänge schwingt, und eine Nomination für die Goldene Himbeere hat er auch schon in der Tasche. Andere aussichtsreiche Kandidaten wären demnach auch Harrison Ford oder Glenn Close und – wenn man die besondere Nähe zur Goldenen Kamera berücksichtigt – Michael J. Fox oder Danny DeVito.

Warum nicht wieder mal eine Frau, am besten eine mit Trash-Appeal, eine, die Zürich schon kennt?

Nur etwas irritiert: Mit dem jüngsten Entscheid für Hugh Grant hat Zürich einen Schauspieler gewählt, der sonst noch nirgends für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Damit hat die Jury ihr Verhaltensmuster durchbrochen. Wenn das ein Indiz ist, muss man auch unwahrscheinliche Kandidaten auf die Rechnung nehmen. Zum Beispiel wieder mal eine Frau, am besten eine mit Trash-Appeal, eine, die Zürich schon kennt (seit sie hier vor ein paar Jahren für den Hallodri-Club Mausefalle Werbung gemacht hat) – warum eigentlich nicht: Pamela Anderson?

Jetzt sind Sie dran: Machen Sie mit bei unserer Umfrage. Haben die Preisträger am Zurich Film Festival die Ehre verdient? Und wer soll als Nächstes an die Reihe kommen?

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.08.2016, 11:15 Uhr

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