Vater der Androiden

«Blade Runner» und sein Sequel basieren auf einem Roman von Philip K. Dick. Der Autor hat die Vorlage für viele Filme geliefert, aber hätte er sich darüber auch gefreut?

Ryan Gosling ist der neue Blade Runner.

Ryan Gosling ist der neue Blade Runner.

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1982 war «Blade Runner» im Kino ein Flop. Spielbergs Megahit «E. T. the Extra-Terrestrial» grub ihm das Publikum ab, so spielte Ridley Scotts Film nicht einmal seine Produktionskosten wieder ein. 35 Jahre später gilt «Blade Runner» allerdings als Klassiker des Science-Fiction-Genres, und der Autor der Romanvorlage – Philip K. Dick – ist ein Liebling Hollywoods: Seine Kurzgeschichten und Romane liefern den Filmemachern immer wieder grandiose Stoffe um Realitätsverlust und Paranoia. So spielt Arnold Schwarzenegger in «Total Recall» (1990) einen Durchschnittstypen, der sich aus Kostengründen eine falsche Ferienerinnerung ins Gehirn einpflanzen lassen will. In dieser ist er ein Geheim­agent auf dem Mars. Doch bei der Einpflanzung gibt es eine Störung, und es stellt sich heraus: Die Fantasie entspricht tatsächlich der Realität.

Oder da ist Spielbergs «Minority Report» (2002): Der Film zeigt eine Zukunft, in der Hellseher Morde voraussehen und die Verbrecher verhaftet werden, noch bevor sie in Aktion treten können. Nun findet sich aber ein von Tom Cruise gespielter Polizist selbst auf der Täterliste wieder.
Davon bekam Dick nichts mehr mit: Gerade mal 53, starb er im Frühjahr 1982 nach zwei Schlag­anfällen, noch bevor «Blade Runner» in die Kinos kam. Immerhin: Deswegen musste er sich auch nie damit herumärgern, dass Holly­wood seine Vorlagen selten werkgetreu adaptiert. Sowohl «Total Recall» als auch «Minority Report» machen aus Dicks philosophischen Storys flaches Actionkino, und selbst «Blade Runner» hat nur noch am Rande etwas zu tun mit dem Roman «Do Androids Dream of Electric Sheep?» (1968). Zwar geht es sowohl im Buch als auch im Film um einen Agenten, der Androiden jagt, die sich illegal auf der Erde aufhalten. Doch Dicks Version war eine schwarzhumorige Satire auf den Kalten Krieg und auf die Konsumgier der Menschen: So spart der Protagonist auf eine Ziege hin, um damit beim Nachbarn angeben zu können. Nach dem Kollaps der irdischen Biosphäre sind Haustiere nämlich teure Prestigeobjekte.

Scott hat sich bloss die Grundzüge der Geschichte herausgegriffen und daraus einen futuristischen Film noir gemacht, weitgehend frei von Humor. Auch die Fortsetzung nimmt sich sehr, sehr ernst – zumindest, bis Harrison Ford auftaucht. Er spielt noch mal den Agenten aus dem ersten Film. Dreissig Jahre später hat sich dieser im menschenleeren Las Vegas einquartiert; dort hört er Elvis Presley vom holografischen Band und trinkt zusammen mit seinem Hund Whiskey.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.10.2017, 14:43 Uhr

Blade Runner 2049

Von Denis Villeneuve
USA/GB/Ka 2017, 163 Min.
Der Replikant K (Ryan Gosling) arbeitet als Blade Runner. Das heisst, er jagt und tötet künstliche Menschen, wie er selbst einer ist. Bei einem Einsatz stösst er auf das Skelett einer Frau. Er erhält den Auftrag, nach dessen Herkunft zu forschen – und schon findet er sich mitten in einem Komplott wieder. Der kanadische Filmemacher Denis Villeneuve («Prisoners», «Arrival») inszeniert wie ein Maler, er gibt dem Publikum viel Zeit, sich in den atemberaubenden Bildern zu verlieren. Doch die Geschichte lässt einen ein bisschen kalt: Gosling wirkt als Replikant allzu distanziert. Immerhin taucht dann Harrison Ford auf und bringt etwas Menschlichkeit und Humor mit.
In diversen Kinos

Die besten Dick-Filme

Blade Runner (1982)
Das Studio hat Ridley Scott reingeredet, und an den Kassen war den Film ein Misserfolg. Doch «Blade Runner» beeinflusste Heerscharen von Filmemachern; selbst die Geschichte der japanischen Animes wäre ohne dieses Vorbild ganz anders verlaufen.

Total Recall (1990)
Zugegeben, aus der intelligenten Kurzgeschichte wurde ein lauter Actionfilm – aber als solcher ist «Total Recall» doch sehr spassig


Screamers (1995)
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Impostor (2001)
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